Yachten: 15 Millionen für ein Mega-Statement

Ist es wirklich so super, eine Grossyacht zu besitzen? Oder ist Chartern nicht sogar komfortabler? Eine Navigationshilfe.

Marcus Krall
Marcus Krall, freier Autor
10 Min

Die Abendsonne taucht die Altbauten am Quai Gabriel Peri in ein wundervolles Licht. Die ersten Paare steuern die Restaurants im Erdgeschoss zum Apero an und die Maler auf der Promenade packen ihre Pinsel ein. Stilettos klappern über das Pflaster und irgendwo heult der obligatorische Sound eines italienischen Sportwagens auf. Welcome to St. Tropez.

Megayacht chartern

Weit weg von jeder Bodenständigkeit – auf der eigenen Megayacht.

Wo man zum Beobachten dieser Szenerie am besten steht? Selbstverständlich auf dem Achterdeck einer veritablen Yacht, den Champagner-Cocktail in der Hand und schon mit ein bisschen Vorfreude auf das Dinner des Sterne-Chefs, der an Bord beschäftigt ist. So eine Yacht ist schließlich einem Boutique-Hotel vergleichbar, nur dass sie nicht an einen Ort gebunden sondern mobil ist. Heute St. Tropez, morgen Cannes, dann drei Tage Porto Cervo.

Eine Länge zwischen 30 und 40 Metern ist eine sehr gute Grösse

Eine Länge zwischen 30 und 40 Metern, so sagen Experten – Broker, Kapitäne und Sales Manager – fast unisono seien übrigens eine sehr gute Größe, um damit das Mittelmeer zu bereisen. Liegeplätze bekäme man fast immer – außer vielleicht mancherorts (Ibiza!) in der Hochsaison –, die Stabilität beziehungsweise die Stabilisatoren machen längere Überfahrten möglich und das Volumen lässt eine Belegung mit zehn bis zwölf Gästen zu. Wer chartert, muss je nach Baujahr und Ausstattung ab 100 000 Euro für eine Woche auf einer derartigen Yacht einkalkulieren. Hinzu kommen eine Vorauszahlung der Betriebskosten – für Kraftstoff, Verpflegung, Hafengebühren oder seltene Rotweine – und die örtliche Mehrwertsteuer. Dieser Part macht noch einmal 40 bis 50 Prozent der Kosten aus.

750.000 Euro – Betriebskosten

Rein wirtschaftlich betrachtet, ist so etwas natürlich ein gutes Geschäft. Denn würde man eine solche Yacht neu kaufen, wären mindestens 15 Millionen Euro fällig. Und für in die Jahre gekommene Second-hand-Formate werden auch mindestens drei bis vier Millionen Euro fällig, anstehende Reparaturen und Umdekorationen nicht eingerechnet. Da auch Betriebskosten entstehen – geschätzt 750.000 Euro pro Jahr – könnte man also reichlich chartern, bevor sich ein Kauf überhaupt armortisieren würde.

Megayacht kaufen

Eine eigene Superyacht macht Eindruck aber lohnt sich der Kauf?

Ein exzellentes Beispiel dafür ist auch die teuerste Charteryacht der Welt, die 136 Meter lange «Flying Fox». Drei Millionen pro Woche kostet das gute Stück – ein 400-Quadratmeter-Spa, eine Kyro-Saune und Ex-Olympioniken als Personal Trainer inklusive. Aber: Man könnte «Flying Fox» tatsächlich die kommenden 33 Jahre für drei Wochen pro Jahr chartern, wenn wir einen (stark) geschätzten Kaufpreis von 450 Millionen Euro – 9000 Gross Tons x 50.000 Euro – zu Grunde legen.

1900 Charteryachten bis 168 Meter Länge

Der Markt spricht allerdings eine andere Sprache und hier wird dann deutlich, dass das Yachting ein durch und durch emotionales Thema ist. Im Yachtfolio-System, der Online-Plattform der Mediterranean Yacht Brokers Association, sind knapp 1900 Charteryachten bis 168 Meter Länge gelistet. Es schwimmen allerdings rund 7000 Yachten über 30 Meter Länge auf den Weltmeeren. Zählt man die Bauten ab 24 Meter Länge – dann darf sich eine Yacht offiziell Megayacht nennen – sind es insgesamt mindestens 10 000 Einheiten. Nicht jeder Yacht-Interessierte chartert also und längst nicht jeder verchartert. «Eine Yacht», konstatierte einmal der Schweizer Verleger Jürg Marquard an Bord seiner «Azzurra II», „ist ein Investment in die eigene Lebensqualität.»

Die Pandemie hat wie ein Treiber für den Verkaufsmarkt gewirkt. Seit dem Sommer 2020 hat der Markt stark angezogen.

Peter Hürzeler, Managing Partner Ocean Independence, Küsnacht

Dass dies nicht nur er so sieht, zeigen die Orderbücher der rund 120 Werften, die sich weltweit in verschiedensten Ausprägungen mit dem Yachtbau beschäftigen. Im Durchschnitt befinden sich immer etwa 800 Yachten über 24 Meter Länge im Bau – die Hälfte davon vielleicht mit Auftraggeber, die andere Hälfte entsteht «on speculation», wie es im Szenejargon so schön heißt. Die Werften rechnen also damit, dass sich während des Bauprozesses ein Eigner findet, zu dem eben genau dieses Projekt passt. Ein riskanter Ansatz? „Nicht momentan“, sagt etwa Peter Hürzeler, Managing Partner des Küsnachter Brokerage-Hauses Ocean Independence. Der Mann muss es wissen, er gilt als einer der erfahrensten Yachtmakler der Welt. Hürzeler: «Die Pandemie hat wie ein Treiber für den Verkaufsmarkt gewirkt. Seit dem Sommer 2020 hat der Markt stark angezogen.»

Superyacht kaufen

Alle Annehmlichkeiten geniessen, um den Rest kümmert sich das Personal.

Ihren Anfang nahm diese Yachting-Szene übrigens bereits im 19. Jahrhundert, als der Amerikaner Cornelius Vanderbilt 1853 die „Northern Star» baute. 82 Meter lang, mit riesigen Schaufelrädern ausgestattet und per Dampf angetrieben. Vanderbilt gilt als erster privater Yachteigner überhaupt und reiste meist mit einer ganzen Entourage. Er hatte zwölf Kinder, an Bord gab es außerdem Kabinen für den Familienarzt und einen Priester. Gegenüber James Gordon Bennett war Vanderbilts Ausstattung dagegen noch rudimentär. Bennett ließ sich um 1900 die «Lysistrata» bauen. Auf 96 Metern Länge transportierte der New Yorker Tycoon sogar Kühe an Deck, damit es auf den Reisen immer frische Milch gab. Die Yacht brachte beinahe 2000 Tonnen ins Wasser, hatte fünf Decks und war außergewöhnlich hell eingerichtet.

Zu den Anfängen des Yachtings muss zudem die «Corsair»-Flotte von J.P. Morgan gezählt werden. Zwischen 1880 und 1930 beauftragte er vier Bauten des gleichen Namens, die nur – wie es heute auch üblich ist – in der Länge wuchsen. Morgan begann bei 57 Metern und hörte bei 105 Metern auf. Er prägte einen Spruch, der immer noch aktuell ist: «Wenn Du nach dem Preis fragen musst, kannst Du es Dir nicht leisten.»

„Wenn Du nach dem Preis fragen musst, kannst Du es Dir nicht leisten.“

J.P. Morgan

Was also tun? Chartern oder kaufen? Rein wirtschaftlich gesehen: chartern. Emotional gesehen: kaufen – und lediglich mit ganz kleinem Gepäck anreisen und von Menschen betreut werden, die man selbst eingestellt hat. Für unerfahrene Kaufinteressierte hat Broker Hürzeler indes einen Rat: «Chartern Sie erst mehrere Yachten und schauen, welcher Stil Ihnen zusagt und welche Ausstattung Sie unbedingt benötigen.»Wem seine Charteryacht dann außerordentlich gut gefällt – Pssst!, manche stehen insgeheim auch zum Verkauf.

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