Wer sucht mir mein Personal?

Gutes Hauspersonal zu finden ist aufwändig. Hanspeter Vochezer, Gründer und Inhaber von Swiss Butlers, erklärt, worauf es ankommt.

S.Kleinlein
Stephanie Kleinlein, Redaktion
8 Min

Eine Haushälterin der alten Schule, die das Smart-Home-System souverän bedient oder ein Chauffeur, der die Firmenkundschaft genauso (stil)sicher zum Ziel bringt, wie die Kinder. Wer bei der Suche nach qualifiziertem Personal auf Nummer sicher gehen will, wendet sich am besten gleich an einen Profi. Hanspeter Vochezer führt mit Swiss Butlers eine Personalvermittlungsagentur für das Who is Who der UHNWIs. Mit uns hat er über seine anspruchsvolle Aufgabe gesprochen.

Vochezer Swiss Butlers

Hanspeter Vochezer gehört zu den renommiertesten Butlern der Welt. Mit seiner Agentur Swiss Butlers vermittelt er Hauspersonal auf 5-Sterne-Niveau.

Herr Vochezer, Sie führen Swiss Butlers seit 10 Jahren. Wer zählt zu Ihren Kunden, oder sollten wir aus Gründen der Diskretion besser fragen: Wer nicht?

Also, wenn ich die Listen der Bilanz durchgehe, finde ich dort schon die meisten unserer Klienten wieder. Allgemein gesagt, betreue ich mit meinem Team zahlreiche Familien, Unternehmer und Einzelpersonen, die meisten davon in der Schweiz. Etwa 60 bis 65 Prozent kommen über persönliche Empfehlung zu uns.

Unternehmerfamilien suchen händeringend nach qualifiziertem Hauspersonal. Was macht die Suche so schwierig?

Es handelt sich natürlich um ein sehr persönliches Feld und die Ansprüche sind hochindividuell. Das reflektiert sich auch im Aufwand. Hinzu kommt: It always takes two to tango. Wenn also die Chemie nicht stimmt, nützt auch die beste Qualifikation nichts.

Kann man sich heutzutage nicht auch über Internetportale eine gute Marktübersicht verschaffen?

Das können Sie. Allerdings sind diese öffentlichen Plattformen das Gegenteil der Diskretion. Als vermögende Persönlichkeit müssten Sie sich schliesslich erst einmal eine neutrale E-Mail-Adresse einrichten. Sonst sieht man ja gleich, wer Sie sind und dass Sie – vielleicht schon wieder – eine neue Haushälterin suchen.

Gibt es dennoch Vermögende, die ihr Personal erst einmal auf eigene Faust suchen?

Ja, selbstverständlich. Dabei muss ihnen jedoch bewusst sein, dass es viel Zeit in Anspruch nimmt, sich durch hunderte, teils miserable Bewerbungsdossiers durchzuarbeiten.

Wie gehe ich also am besten vor, wenn ich Top-Personal haben möchte?

Der beste Weg führt über eine professionelle Agentur. Wir empfehlen zu Beginn ein persönliches Gespräch, am besten bei der Kundschaft vor Ort, absolute Diskretion natürlich vorausgesetzt. Vor Ort ist es einfacher, sich ein genaueres Bild zu machen. Manche Häuser sind so reduziert ausgestattet wie eine Tiefgarage, in anderen stehen zahlreiche Antiquitäten. Wir empfehlen unseren Kunden zudem, ihre Anforderungen aufzuschreiben, auch was die gewünschten Präsenzzeiten angeht. Auf dieser Basis lässt sich der Personalaufwand einschätzen.

Wie lange muss ich mich wohl gedulden?

Es gibt kein fixes Sortiment an professionellen Mitarbeitenden, aus dem man sich bedienen kann, wie an einem Feinkostregal. Der gesamte Prozess beinhaltet mehr als 20 einzelne Schritte: von der Abklärung der Bedürfnisse über die zeitintensive Selektion der eingehenden Bewerbungen bis hin zur Koordination von Probetagen. Das kann einige Wochen oder auch Monate dauern.

Wie gehen Sie bei der Beurteilung der Kandidierenden vor?

Als jemand, der diesen Beruf seit Jahren selbst ausübt, erkenne ich bereits in den persönlichen Interviews innerhalb weniger Minuten, ob die Kandidierenden die passenden Voraussetzungen mitbringen. Zudem legen wir grössten Wert auf einwandfreie, vollständig verfügbare Arbeitszeugnisse und einen lupenreinen Straf- und Betreibungsregisterauszug. Sind sich Kandidat und Kunde sympathisch, empfehlen wir ein Probearbeiten.

Es gibt bekanntermassen altes Geld und neueres Geld. Wie macht sich dieser feine Unterschied in Ihrer Arbeit bemerkbar?

Man bemerkt tatsächlich einen Unterschied zwischen Menschen, die mit Hauspersonal aufgewachsen und jenen, die erst in den letzten Jahren zu Geld gekommen sind. Sie meinen, jetzt auch einen Butler zu wollen, um nach sechs Wochen festzustellen, dass sie eigentlich eine Haushälterin brauchen. Hier ist unsere Beratungsleistung gefragt und wird auch dankbar angenommen.

Apropos alt und neu: Welche Rolle spielt die Digitalisierung in Ihrem traditionellen Gewerbe?

Eine Grosse. Viele Kunden lieben die neuesten Technologien im Haus. Da kann es jedoch passieren, dass um drei Uhr am Nachmittag plötzlich alle Rollläden runterfahren. Wichtig ist, dass das vorhandene Personal die Technik beherrscht, um externe Kosten zu vermeiden. Ein Teil unserer Kundschaft hat dafür eigene Haustechniker angestellt.

Wer ist denn für die Schulung der Mitarbeitenden verantwortlich?

Der Arbeitsvertrag besteht immer zwischen dem Kunden und dem Personal. Die Einarbeitung erfolgt durch die ehemaligen Stelleninhaber oder die Kundschaft selbst. Selbstverständlich übernehme ich auf Wunsch auch die Schulung des neuen Personals, was jedoch separat verrechnet wird.

Speziell Unternehmerfamilien haben im Geschäftsumfeld als auch im privaten Bereich Personalbedarf. Empfehlen Sie, das zu trennen?

Das ist sehr individuell und bei jedem Auftrag einzeln zu betrachten, ob eine Kombination Sinn macht. Manche Kundschaft möchte Privates und Berufliches strikt trennen. Bei anderen wird die Haushälterin einmal pro Woche im Büro eingesetzt, wenn es das Arbeitsvolumen erlaubt.

Diskretion ist in Ihrem Job oberstes Gebot. Trotzdem: Wie viele Seiten hätte das Buch, das Sie über Ihre Erlebnisse schreiben könnten?

Sicherlich einige hundert. Und es kämen die meisten der bekannten Familiendynastien darin vor. Aber zum Glück lebe ich von der Diskretion und nicht vom Gegenteil. Es muss sich also niemand fürchten.

Herr Vochezer, wir danken Ihnen für das Gespräch.