Welche Art von Family Office passt zu uns?

Family Offices gibt es in den verschiedensten Ausführungen. Eine Übersicht und Orientierungshilfe.

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Sandro Widmer, Project Manager
8 Min

Family Offices gibt es in unterschiedlichen Formen und Grössen. Gemeinsam haben alle eines: Sie kümmern sich um die privaten Vermögen einzelner oder mehrerer Familien und um viele andere Dinge, die das Leben von Unternehmerfamilien vereinfachen. Wie und in welchem Umfang, hängt ganz von den Bedürfnissen der Familie ab und – wir ahnen es – von der Summe, die sie bereit ist, für diese Finanzdienstleistungen und weitere Services auszugeben. Das sind die gängigsten Varianten von Family Offices zwischen denen sich die vermögensten ein Prozent entscheiden:

Single Family Office oder Multi Family Office?

Single Family Offices (SFOs) kümmern sich um das Vermögen einer einzelnen Familie.  Sie verfolgen keinen kommerziellen Zweck, da die Besitzerfamilie auch gleichzeitig der einzige Kunde ist. Sie bieten ab einem Vermögen von circa 500 Millionen Franken eine maximale Exklusivität. Hierbei unterscheiden wir folgende mögliche Varianten:

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Die Entscheidung für ein Family Office sollte gründlich besprochen werden.

Multi Family Offices (MFOs) verantworten das Vermögen mehrerer Familien. Sie empfehlen sich ab einem Vermögen von ca. 30 Millionen Franken und zeichnen sich durch vergleichsweise geringere Kosten aus. Sie sind durch ihr Klientel grösser und breiter aufgestellt, wodurch die einzelnen Familien von der Gesamtexpertise der Family Offices profitieren. 

Beide Optionen bieten Vor- und Nachteile, weiss Lukas Dörig, Head Client Relationship Manager bei Marcuard Family Office in Zürich. „Angestellte eines Single Family Offices könnten mit der Adressierung sensibler aber bedeutender Issues zurückhaltender sein, da sie in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Arbeitgeber, der Eigentümerfamilie, stehen“, erklärt er. „Dafür haben sie sich natürlich zu 100 Prozent deren Ambitionen verschrieben.“

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Lukas Dörig kennt die Vor- und Nachteile von Single und Multi Family Offices.

Für ein Multi Family Office gilt zudem: Mehr Expertise zu vergleichsweise günstigeren Konditionen. Der exklusive Verpflichtung eines Top-Experten ist sehr kostenintensiv. Als Angestellter eines Single Family Offices sind dessen Erfahrungen weniger vielfältig dafür aber intensiver, wenn es um die Interessensgebiete der Eigentümerfamilie geht.

Steuervorteile oder Social Impact?

Haben Sie sich für eine Form des Family Offices entschieden, definieren Sie Ihre Bedürfnisse auf persönlicher, wie auf finanzieller Ebene. Auf dieser Basis entsteht die ganz auf Ihre Familie zugeschnittene Finanzstrategie. Dabei setzen Sie Prioritäten wie Steuervorzüge, zügiger Zugriff auf die Vermögenswerte, gute Vererbbarkeit oder Social Impact. Auch Investitionsschwerpunkte wie Energie, Kunst oder Immobilien können Kriterien darstellen. Darüber hinaus legen Sie den Service-Umfang fest. Security, Planung und Lifestyle-Management können ebenfalls zum Repertoire eines Family Offices gehören.

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Diese Dienstleistungen wurden 2020 von Multi Family Offices am häufigsten angeboten. (Quelle: andsimple.co)

In der Schweiz oder wo sonst?

Politische Stabilität und finanzielle Sicherheit gehören zu den Hauptkriterien bei der Standortwahl. Viele Ausländer, darunter Ikea-Gründer Ingvar Kamprad, die deutsche Thyssen-Dynastie oder die ursprünglich aus Österreich stammende Familie Swarovski unterhalten daher ein Family Office in der Schweiz. Aber auch Luxemburg, Liechtenstein und das Vereinigte Königreich sind bevorzugte Standorte für Family Offices.

Öffentliches Renommee und persönlich Entscheidung.

Der Begriff Family Office ist nicht geschützt. Sehen Sie sich deshalb ganz genau auf dem Markt um. Welche Anbieter gibt es? Was für  Referenzen können diese vorweisen? Über welche Expertise verfügen die einzelnen Family Officers? Und wie sieht das Kompensationsmodell aus?

Vertrauen Sie bei der ersten Auswahl Ihres möglichen Family Offices besonders auf Empfehlungen, zum Beispiel durch Ihren Anwalt, Ihre Private Equity Experten, Ihren Treuhänder oder Ihre Bank. In einem persönlichen Kennenlerngespräch finden Sie heraus, ob Ihr zukünftiges Family Office versteht, welche Themen Ihnen wichtig sind und ob es über die Erfahrungen verfügt, um Sie speziell auf diesen Gebieten zu unterstützen. Nicht zu unterschätzen ist die Chemie, die zwischen Ihnen und Ihren Beratern stimmen muss. Schliesslich werden Sie in den kommenden Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, einen sehr intensiven Austausch pflegen, in dem es um viele persönliche und vertrauliche Angelegenheiten gehen wird.

Mehrere Generationen weit denken

Behalten Sie dabei im Auge, dass wahrscheinlich mehrere Generationen Ihrer Familie mit dem Family Office zu tun haben werden. Ist das Berater-Team so aufgestellt, dass es deren unterschiedlichen Bedürfnisse zufriedenstellen kann? Ist das vorhandene Know-how zeitgemäss und zukunftsorientiert, so dass zu gegebener Zeit ein Generationsübergang stattfinden kann? Viele Family Offices bieten Workshops an, in denen Interessenten ganz systematisch mehr über ihre  Bedürfnisse und die Herangehensweise ihres zukünftigen Family Offices herausfinden. Bis letztendlich eine Entscheidung fällt, kann es bis zu mehreren Monaten dauern. Und das ist gut so. Schliesslich sind Familien- und Vermögensfragen immer eine sehr persönliche Angelegenheit.

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