Schleicht On via SPAC an die Börse?

„SPAC ist das neue IPO“ – geht Roger Federers Beteiligung On nun via SPAC an die Börse?

Nic4
Nicolas Berg, Redaktor
7 Min
Roger Federer beim Joggen mit Sportlern

Joggt Roger Federer mit On durch die Hintertür in Richtung Börse? (Bild zvg)

Gerüchteweise will der 2010 gegründete Schweizer Sportschuhhersteller On bald an die New Yorker Börse. Die NZZ am Sonntag hatte diesen Finanzklatsch über die Federer-Firma bereits letzten Sommer transportiert, was die sonst verschwiegene Privatfirma sogleich dementierte. Doch jetzt läuft die Gerüchteküche laut HandelsZeitung vom 25. Februar erneut heiss. Einerseits ist ein baldiger Börsengang laut Insidern wahrscheinlich, denn das dürfte dem Appetit der amerikanischen Private-Equity-Investoren (z.B. Striper Group) und Family Offices entsprechen, die zuletzt zu einer Bewertung von mehreren Hundert Millionen ins Sportunternehmen eingestiegen sein sollen. Andererseits sieht es angesichts der mangelnden Finanztransparenz von On nicht nach baldigem IPO aus.

Einer, der dies wissen muss, ist der Kapitalmarkt-Berater Edwin van der Geest von der Zürcher Dynamics Group. Der Senior Partner bestätigt die Ansicht von folani, dass Privatunternehmen mit Drang an die Börse normalerweise punkto Investor Relations bereits ein, zwei Jahre von dem IPO fast wie kotierte Firmen kommunizieren. Van der Geest verweist uns am 24. Februar auf den Trend zu umgekehrten Börsengängen via SPAC (siehe Box oben). Zufällig plane er gerade heute Abend den LinkedIn Artikel „Hello SPACs – Welcome to Switzerland!„.

Edwin van der Geest_Dynamics Group

Edwin van der Geest, Dynamics Group, heisst SPAC in der Schweiz willkommen (zvg)

2020 floss mehr Geld in SPACs als in IPOs

Für Investoren mit tiefen Taschen eröffneten SPAC eine interessante neue Anlagealternative. 2020 flossen bereits 76 Milliarden Dollar in über 200 SPAC, mehr Geld als in traditionelle IPO. Laut einer McKinsey Studie seien Anleger immer dann gut gefahren, wenn ein erfahrener Sponsor und ein Verwaltungsrat mit ausgewiesener Branchenkompetenz die SPAC initiiert und geführt habe. Und falls der Investor mit der avisierten Zielgesellschaft nicht einverstanden sei, könne er gewöhnlich via einer Put-Option (Verkaufsrecht) zum Nominalwert aus dem SPAC aussteigen und seine eingesetzten Mittel Einsatz zurückverlangen.

Risikofreier Ausstieg dank Put-Option

Diese Put-Option zeige dreierlei: Erstens, der Investor trage kein Verlustrisiko ausser einem allfälligen Negativzins. Zweitens, die Bezeichnung «Blankocheck-Firmen» sei falsch, denn der Investor stelle eben gerade keinen «Blankocheck» aus. Und drittens müssen SPAC-Sponsoren und -Verwaltungsrat bei der Auswahl der Zielgesellschaft sorgfältig vorgehen, wollen sie sich die Unterstützung der Investoren sichern. Komme innerhalb der definierten Lebensdauer des SPAC von zwei Jahren keine Transaktion zustande, verliere der Sponsor seine für die Gründung, das Fundraising, das IPO, die Betriebskosten sowie die Due Diligence der Zielgesellschaft geleisteten Mittel. Der Sponsor habe also tatsächlich «skin in the game». Dieses Risiko lasse sich der Sponsor im Erfolgsfall nach der Transaktion über eine Erfolgsbeteiligung von 10 bis 20 Prozent versüssen.

SPAC versenkte 200 Millionen in Akazoo

Weniger süss kommentiert die „Zeit“ mit Titel „Warum viele Menschen in SPACs investieren – und oft alles verlieren“ den neuen Trend. SPAC hätten sich bei der Wahl ihres Zielobjekts gelegentlich nicht besonders wählerisch verhalten. Modern Media Acquisition Group, ein SPAC des US-Radiounternehmers Lew Dickey, kaufte im Herbst 2019 den griechischen Musikstreamingdienst Akazoo und brachte ihn an die Börse. Das Zielobjekt sei das „Spotify der Schwellenländer“ und Dickey sammelte damit 200 Millionen Dollar von SPAC-Anleger*innen ein. Der Deal erwies sich jedoch laut Recherchen des Short-Sellers Gabriel Grego als kompletter Schwindel. Die Anleger in den SPAC verloren ihr gesamtes Geld.

SPAC mit Nikola stürzt von 80 auf 14 Dollar ab

Ein beliebtes Investment für gelangweilte Anleger im ersten Lockdown-Jahr war der SPAC, der im Juni 2020 aufs Elektrolaster-Startup Nikola setzte. Das 40-Tönner-Projekt entsprach gleich drei Hype-Themen: Sauberer Antrieb mit Wasserstoff und Brennstoffzelle, Insider-Tipps in Kleinanleger-Foren und das Zauberwort SPAC. Doch als der Short-Seller Nathan Anderson das saubere Startup unter die Lupe nahm, entdeckte er wenig eigenentwickelte Technologie, aber dafür ein Fakevideo, das den Laster ohne Antrieb mit geschickter Kamerawinkel einen Hügel runterrollen liess. Der CEO von Nikola musste zurücktreten, professionelle Mitaktionäre wie Bosch und General Motors wollten aussteigen. Die beim Debüt bei 80 Dollar gehandelte Nikola-Aktie oszilliert nun noch zwischen 14 und 18 Dollar.

Was wir aus diesen weniger schönen Geschichten lernen können: Totalverluste sind möglich. Die Schutzklausel Put-Option funktioniert nämlich nur, wenn der SPAC-Anleger sie bei der Bekanntgabe des Übernahmeobjekts sofort nutzt.

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Roger Federer präsentiert das von ihm mit-designte On Modell (Bild zvg)

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v.l.n.r. On-Gründer David Allemann, Olivier Bernhard und Caspar Coppetti (zvg)

Update 1.4.2021: Eine Quelle nahe der Entscheider bei On teilte folani informell mit, dass On aktuell keinen Exit via SPAC anstrebe. Einen anderen Aspekt bringt ein Bericht von Next Generation Wealth ins Spiel: 87% aller SPAC deals hätten einen grösseren Transaktionswert als eine Milliarde. Zumindest diese Bewertungshürde wäre für On bestimmt kein Hindernis.

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