Familienfinanzen unter sich: das Single Family Office

Wer eines hat. Was es kann. Und welche Varianten es gibt.

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Sandro Widmer, Project Manager
8 Min

Jeff Bezos hat eins, so wie Google-Co-Gründer Sergey Brin und Familie und Luxusgüter-König Bernard Arnault: ein Single Family Office. Sie heissen Bezos Expeditions oder Aglaé Ventures und kümmern sich mit einem Stab von Experten um die Interessen, Ambitionen und Bedürfnisse ihrer Eigentümerfamilie.

Laut Campten Wealth, einem britischen Researcher und Family Office Experten, gibt es 7.300 von ihnen– weltweit. Der Grund für diese geringe Anzahl liegt auf der Hand: Die Gründung eines Single Family Offices (SFO) lohnt sich erst ab circa 500 Millionen Franken.

Bedarf steigt und ein Ereignis steckt dahinter

Der Bedarf an dieser Form von Unterstützung für UHNWs ist im vergangenen Jahrzehnt exponentiell angestiegen, schreibt das Magazin Forbes. Grund sind die zahlreichen Skandale, die die Finanzwelt kurz nach dem Beginn dieses Jahrtausends erschütterten und 2008 und 2009 in der Weltfinanzkrise ihren Höhepunkt fanden. Das Vertrauen in die Banken war auf dem Nullpunkt und Vermögende erkannten, dass eine Non-Corporate-Struktur einen individuelleren und unabhängigeren Service bieten kann. Zum anderen erklärt sich die hohe Nachfrage damit, dass es nur wenige Spezialisten gibt, die die Bedürfnisse einzelner ultravermögender Familien bedienen können. Dies verwundert kaum, schiesslich sind deren Ansprüche hoch individuell und gleichzeitig sehr vielfältig.

Zu den finanziellen Interessen gesellen sich philanthropische Anliegen, Lifestyle-Management und Organisation aber auch ganzheitliche Beratungsleistungen in Bezug auf die Family Governance oder die Nachfolge im familieneigenen Unternehmen. Auch der Austritt von Familienmitgliedern aus dem Family Business und anderen familiären Engagements bedarf einer strukturierten Führung.

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Verbindliche Vereinbarungen über Aufgaben und Ziele des familieneigenen Offices sind Grundlage für dessen Erfolg.

Denn ab einem gewissen Kapital ähnelt eine vermögende Familie einem Unternehmen oder einer Marke. Um deren Funktionalität und Werte zu erhalten, braucht es Regeln. Das SFO bündelt die Interessen der einzelnen Familienmitglieder und verfügt über all die gewünschten Kompetenzen, um den Bedürfnissen der Eigentümerfamilie generationsübergreifend gerecht werden zu können. Dies kann mit einer persönlichen Assistenz für Organisatorisches beginnen und in der Anstellung hochversierter Spezialisten für unterschiedliche Anlageklassen münden. Hauptsache aber abgeschottet vom Rest der Finanzberatungswelt – exklusiv, autark und vor allem diskret. Folgende Leistungen sind die gängigsten:

Unser Vermögen, unsere Investitionen, unsere Sicherheit

Verwaltung: Werte zu bewahren zählt zu den wesentlichen Aufträgen. Dazu gehört die Vermögensverwaltung genauso wie die Verwaltung von Besitztümern wie Immobilien, Trusts, Stiftungen, Lebensversicherungslösungen und Gesellschaften.

Assets: Natürlich gehört auch die Vergrösserung des Vermögens zu den Kernaufgaben des SFO, sei es in Form von Investitionen in Aktien, Private Equity, Immobilien oder Start Ups.

Organisation und Management: Entsprechend ausgebildete Angestellte halten die Geschicke der Familie auf organisatorischer Seite zusammen. Sie erledigen sämtliche administrative Angelegenheiten von Reisen und Zusammenkünften bis hin zu amtlichen Verfügungen.

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Ausgewählte Experten kümmern sich um die Bedürfnisse und Ambitionen der Eigentümerfamilie.

Rechts- und Steuerberatung: Ein ganz wichtiger Faktor bei komplexen Familien- und Vermögensstrukturen, speziell wenn die Familie Wohnsitze und Assets in mehreren Ländern unterhält oder deren Mitglieder mehr als eine Staatsangehörigkeit haben.

Nachlass- und Nachfolgeplanung: Ein Generationswechsel im Familienunternehmen oder eine Erbschaft sind sehr organisations- und beratungsintensiv und fordern zudem ein hohes Mass an Fingerspitzengefühl. Eine familieninterne Institution leistet hier wertvolle Dienste. So können erfahrene Family Officer Familientreffen und -diskussionen moderieren und zu zufrieden stellenden Ergebnissen für alle führen.

Family Governance: Die Family Governance erarbeitet gemeinsam mit der Familie deren Werte und Ziele und unterstützt sie bei deren Einhaltung. Dies beinhaltet auch die Einführung der NextGen.

Philanthropische Beratung: Viele vermögende Familien gründen und unterhalten Stiftungen. Experten für Philanthropie ergänzen das Team in diesem Fall.

Persönliche Services:  Je vermögender die Familie, desto gefragter sind Dienstleistungen rund um Komfort, Lifestyle und Sicherheit. Ein Single Family Office kümmern sich um diese Anliegen und verpflichtet die entsprechenden Experten.

Drei mögliche Varianten

Das traditionelle Single Family Office: Das traditionelle SFO ist ein klassisches externes Family Office mit einem eigenen Büro ausserhalb des Unternehmens und einer eigenen Infrastruktur. Als Standort wird meist der Lebensmittelpunkt der Familie gewählt oder einer bekannten Finanzplätze, die oft steuerliche und andere Vorzüge bieten.

Das eingebettete Single Family Office: Das eingebettete (embedded) SFO ist ein ins Familienunternehmen integriertes Family Office. In dieser Form kümmern sich die entsprechenden Angestellten um die persönlichen, rechtlichen und finanziellen Belange der Eigentümerfamilie. Da dazu bereits ein Gebäude und eine administrative Infrastruktur vorhanden sind, kann dies eine verhältnismässig kostengünstige Variante sein.

Das virtuelle Single Family Office: Das virtuelle SFO ist sehr zeitgemäss. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Experten, die das Familienvermögen verwaltet und flexibel zu Familienangelegenheiten zurate gezogen wird. Die Frage der Loyalität ist in diesem Fall zwingend zu klären, da diese Experten auch für andere Auftraggeber tätig sein können, was das Risiko von Interessenskonflikten und Indiskretionen in sich birgt. Die einzelnen Teammitglieder müssen zudem effizient gemanaged werden.

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