”Einem Einbruch beugt jeder vor, einem medizinischen Notfall kaum jemand.”

Medical Concierge Axel Wiesner über medizinische Notfallkonzepte als Investition ins Überleben. 

S.Kleinlein
Stephanie Kleinlein, Redaktion
6 Min

In einer medizinischen Notfallsituation entscheiden Minuten, wenn nicht Sekunden. Wohl dem, der zügigen Zugriff zu qualitativ hochstehender medizinischer Hilfe hat. Axel Wiesner ist Mitgeschäftsführer des Medical Concierge Services Intercomcare. Er unterstützt Familien und Vermögende bei der Entwicklung von häuslichen Notfallkonzepten und bereitet sie bestmöglich auf den Ernstfall vor. Er sagt: „Während heute wie selbstverständlich in Sicherheitskonzepte wie das CCTV und eine Alarmanlage investiert wird, sind bei der Entwicklung von medizinischen Sicherheitskonzepten noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.“ Dabei können vorher getroffene Massnahmen und Ergänzungen zu den öffentlichen Notfallhilfen lebensrettend sein. Eine Ambulanz benötigt bis zu ihrem Eintreffen in der Stadt Zürich rund fünf bis zwölf Minuten, in ländlichen Regionen sogar länger. Die Zeit bis zu ihrem Eintreffen gilt es zu überbrücken und Hilfe zu leisten. „Mit einer guten Vorbereitung fällt dies wesentlich leichter“, so Wiesner. 

medizinischer Notfall

Bei einem medizinischen Notfall gilt es, die Zeit bis zum Eintreffen der Ambulanz zu überbrücken.

Die medizinische Bestandsaufnahme

Wie viele Generationen und welche Altersgruppen leben im Haushalt? Gibt es Personen, die unter Vorerkrankungen leiden und was ist unter diesen Umständen besonders zu beachten? Welche Medikamente sollten immer im Haus sein? Welche Top-Mediziner oder Spitäler sind im Notfall die erste Wahl und wie schnell sind diese erreichbar? Schon bei der Erarbeitung eines medizinischen Notfallkonzepts, verinnerlichen die Klienten das optimale, manchmal lebensrettende Vorgehen. „So bleibt es auch im Ausnahmezustand abrufbar und die Helfenden geraten seltener in Panik“, erklärt Wiesner. Auch das kann lebensrettend sein.

Einrichtung von Notfallstation, Notfallknopf und ICE Funktion

Aus dieser Bestandsaufnahme ergibt sich die Einrichtung einer Notfallstation. Sie hat einen festen Platz im Haus und enthält den erste Hilfe Kasten, sämtliche Medikamente samt Anwendungsanweisungen, dazu – übersichtlich notiert – alle Erste-Hilfe Nummern. „Wir schulen auch das permanente Hauspersonal und empfehlen, diese Schulungen regelmässig zu wiederholen“, erklärt Wiesner weiter. Die Einrichtung eines Notfall-Knopfs ermöglicht eine automatisch Verbindung mit der Ambulanz. Ausserdem empfohlen: Die Aktivierung der ICE-(in Case of Emergency)-Funktion auf dem Smartphone. Sie enthält medizinische Hinweise zum Besitzer, wie die Blutgruppe, vorhandene Allergien oder Medikationen. Mit ihr ist es Helfern möglich, trotz Sperrung an die ICE-Daten zu gelangen oder Hilfe zu rufen.

Erwerb eines Defibrillators mit Einweisung und Schulung

Deffibrillator

Defibrillatoren sind heute, je nach Modell, auch von Laien zu bedienen.

Zwischen 1.000 und 3.500 Franken kostet ein Defibrillator, ein medizinisches Gerät, das in der Notfallmedizin zur Standardausrüstung gehört. Spezielle automatische Defillibratoren können auch privat erworben und von Laien bedient werden. „Voraussetzung ist jedoch eine Einführung, bei der private Anwender die Scheu vor dem medizinischen Gerät verlieren“, betont Wiesner. Ein Defibrillator kommt in jeder Situation zum Einsatz, in der eine Person bewusstlos aufgefunden wird. Er reaktiviert die Herzfunktion und erhöht die Überlebenschancen deutlich, bis die Sanität eintrifft.

Kein Ersatz für Notfallmediziner

So sehr ein Medical Concierge Service jedoch alles für eine optimale medizinische Versorgung im Notfall vorbereiten kann – ein Ersatz für einen Notfallmediziner ist er nicht. „Eine Akutsituation erfordert schnellste qualifizierte Hilfe, ein Umweg über uns würde zu viel Zeit kosten“, betont Wiesner. „Wir werden allerdings sehr oft zu einem späteren Zeitpunkt hinzugezogen, beispielsweise, wenn Patienten mit dem Privatjet oder Ambulanzflugzeug in die Schweiz geflogen werden. Hier übernehmen wir dann die nötige Organisation vor Ort, wie den Sanitätstransport oder die Weiterversorgung bei den entsprechenden Spitälern und Spezialisten.“