Die reichen Rivalen der Rennbahn

Glücksritter und ganze Familiendynastien vereint die Leidenschaft für den Galopprennsport.

S.Kleinlein
Stephanie Kleinlein, Redaktion
8 Min

Als der Möbelunternehmer Helmut Volz gemeinsam mit seinem Sohn Heiko ein junges Rennpferd zum Spottpreis von nur 9.000 Euro ersteigert, ahnt niemand, dass die beiden das erreichen würden, wovon alle Rennpferdebesitzer träumen: «Danedream» gewinnt wenig später den Prix de l’Arc de Triomphe in Paris und auch im nicht weniger legendären Ascot galoppiert die schmale braune Stute als erste über die Ziellinie. Damit bringt sie ihren Besitzern nicht nur einige Millionen an Siegesprämien ein. Sie sichert ihnen – was wohl noch viel bedeutsamer ist – einen Platz in einer sehr prestigeträchtigen Gesellschaft. Noch dazu – im Kreis ihrer wahrhaft erfolgreichen Mitglieder. Und der ist, wir ahnen es, naturgemäss weitaus kleiner.

Galopp rennen Millionäre

Auf der Zielgeraden – einmal ein namhaftes Rennen zu gewinnen ist der Traum jedes Rennpferdebesitzers.

So wie Familie Volz, ist es für viele Vermögende eine reizvolle Option, ihr Geld auf das eigene Rennpferd zu verwetten. Kein Wunder. Ist es doch ein Sport, bei dem man die anderen (wie in dem Fall den Jockey) machen lässt und allein beim Zuschauen Unmengen von Adrenalin und Endorphinen ausschüttet. Jahre und Jahrzehnte an Zeit und Unsummen von Geld investieren Multimillionäre und ganze Familiendynastien in das mitreissende Gefühl, das aufkommt, wenn zehn bis 20 Vollblüter in die Zielgerade eingaloppieren und der eigene Favorit sich die Führung erkämpft.

Ersteigert haben wir am Ende für eine Million

Jens von Lepel, ehemaliger Gestütsleiter

Jens von Lepel hat vielen vermögenden Familien dabei geholfen, Renn- und Zuchterfolge zu erzielen. Der Veterinär und Landwirt ist eine Eminenz in der Szene. Schon vor über 40 Jahren klärt er in der deutschen Wochenzeitung „Zeit“ gelassen über das Offensichtliche auf: «Es ist eben ein Hobby für gut betuchte Leute», sagte er dem faszinierten Autor damals. Heute erinnert er sich: «Bevor wir zur Auktion gegangen sind, habe ich mit meinen Kunden oder Arbeitgebern den Auktionskatalog durchgeschaut und ein Limit abgemacht. Einmal waren das 400.000 Dollar (Anmerkung der Autorin: gemeint ist für ein Pferd). Dann ging das Gebot rauf auf 600.000 Dollar und ersteigert haben wir am Ende für über eine Million.» Er fügt jedoch hinzu, dass diese Käufer nicht nur den Rennerfolg im Auge hatten, sondern in ihre Zucht investierten, was bestenfalls wieder Geld einbringt. Im Endeffekt bleibt es für die meisten jedoch eine Leidenschaft, die sich keinesfalls remonetarisieren muss.

von lepel audley farm
Jens von Lepel auf der Audley Farm mit „Untouched Talent“, einer erfolgreichen Zuchstute und Mutter von „Bodemeister“, dem Zweitplatzierten des Kentucky Derby 2012.

Gestütsgründung nur für Superreiche

Die Gründung und den Unterhalt eines Gestüts leisten sich ohnehin nur wenige, dafür umso bekanntere Industrielle, Königshäuser und Familiendynastien. Tatsächlich handelt es sich um die höchste Kaste im Reich der Rennpferdebesitzer und eine, die von Lepel sehr gut kennt. Viele Jahre leitete er das Gestüt Röttgen, Eigentum der Familie Mühlens, Gründer des 4711 “Kölnisch Wasser” Parfum-Imperiums. Später verantwortetete  er die Zucht- und Rennsportaktivitäten der Familie Liebrecht, die hinter dem Pharma-Imperium Boehringer Ingelheim steht. Erst auf dem Gestüt Erlengrund in Deutschland, später auf der Audley Farm in den USA. Zu seinen ständigen Konkurrenten gehörten unter anderem das Gestüt Fährhof, Besitz der Kaffedynastie Jacobs, hier in der Schweiz auch bekannt für die von ihr ins Leben gerufene Jacobs Foundation . Oder: der in diesem Jahr verstorbene Prince Khalid Abdullah, der mit seinen Juddmonte Stables jahrzehntelang den Turf dominierte. Aber auch die jüngere Generation der Superreichen, wie der amerikanische Multimilliardär Peter Brant, leisten sich ein Gestüt und Starts auf den grossen Rennplätzen der Welt.

Wie kaufe ich ein Rennpferd?

Doch wie kommen Neueinsteiger an ein Rennpferd? Auf Auktionen, zum Beispiel. Der Schweizer Club der Rennpferdebesitzer, der zukünftige Neueinsteiger gerne beim Kauf eines Rennpferdes unterstützt, benennt die Baden-Badener Auktionsgesellschaft, Arquana im französischen Deauville, Goffs in Irland  und Tattersals in Ascot als wichtigste Auktionsausrichter in Europa. Etwas ruhiger, wenn auch nicht weniger eindrücklich, geht es auf einem Gestüt zu, das der solventen Käuferschaft gerne seine Nachzucht präsentiert. “Es kommt auch ganz darauf an, wie viel Zeit und Geld die neuen Besitzer noch in die Aufzucht und die Ausbildung stecken möchten und wer sie dabei unterstützt”, erklärt von Lepel.

Und die Kosten? Der Preis für ein gutes Rennpferd ist so verlässlich zu beziffern, wie dessen Chancen, ein echter Kracher zu werden. Es fängt bei 5.000 Franken an und hört bei mehreren Millionen auf. In sogenannten Besitzergemeinschaften halten mehrere Personen Anteile an einem Pferd. Geradeso, als wäre es ein Unternehmen. Zu den monatlichen Fixkosten zählen die Unterbringung und Betreuung in einem Stall. Dazu auf der Payroll:  Schmied, Tierarzt, Trainer, Pfleger und natürlich der Jockey. Hinzu kommen Transport, Unterbringung und Nennkosten für jedes einzelne Rennen. Denn erst durch den Gewinn von kleineren Rennen erwerben sich Besitzer das Recht, an den wahrhaft prestigeträchtigen Events teilzunehmen. Immerhin: Die Spielregeln sind für alle gleich.

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