So cool: Bill Gates Viren-Krieg seit 2014

Bill Gates Kampf gegen Malaria und HIV erwies sich als Glücksgriff für die rekordschnell entwickelte mRNA-Impfung gegen Covid-19.

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Nicolas Berg, Redaktor
10 Min
Bill Gates mit Maske gegen Covid-19, Coronavirus

Bill Gates publiziert über LinkedIn regelmässig seine Gates Notes.

Keiner unterstützt Impfkampagnen so massiv wie Bill Gates. Die Älteren unter uns kennen den einst reichsten Mensch der Welt wegen DOS, Windows und Office. Die Jüngeren sind ehr mit Xbox und Minecraft aufgewachsen. Aber für die neue Generation sind Bill und Melinda Gates – Scheidung hin oder her – primär das Paar, das über seine Stiftung am meisten getan hat im Kampf gegen die Malaria. Und das ist wirklich cool!

Dann kam anfangs 2020 Covid-19, das noch vor Mitte des Jahres der Malaria als häufigste Todesursache den Rang ablief. „Ich habe den Grossteil meiner Zeit im letzten Jahr dafür verwendet, mit Kollegen weltweit daran zu arbeiten, gegen Covid-19 zu testen, zu behandeln und zu impfen“, schreibt Bill in seinen Gates Notes.

Covid-19 ist wie ein Weltkrieg, doch in diesem Fall stehen alle Menschen auf derselben Seite!

Bill Gates anfangs 2020

In seinen Notes erklärt Bill Gates schon seit längerer Zeit die Impfstoff-Strategie der Bill & Melinda Gates Stiftung. Im Originalton: „Covid-19 ist wie ein Weltkrieg, doch in diesem Fall stehen alle Menschen auf derselben Seite!“ Als Gates schon früh erklärte, ein Impfstoff könne durch massive Investments und parallele Prozesse in nur einem Jahr entwickelt werden, avancierte er zum weltweiten Feindbild esoterischer Schwurbler, Verschwörungstheoretiker und Corona-Leugner. Bisher lag der Weltrekord für die Zulassung für einen Impfstoff nämlich bei vier Jahren.

Covid-19: Stiftung unterstützt mRNA Impfstoffe seit 2014

Die nun tatsächlich in nur einem Jahr entwickelten Covid-19-Impfungen von Moderna und Pfizer/BioNTech profitieren von der sogenannten mRNA Technology – ein Ansatz, den die Gates Stiftung bereits 2014 mit ihren Geldern zum Durchbruch verholfen hat mit entsprechenden Impfstoffen gegen Malaria und HIV. Die Impact-Investments vor sechs Jahren machen es heute möglich, den Rekordkiller Covid-19 mit weltweiten Impfkampagnen bald einzudämmen.

Dies geschieht mit tatkräftiger Unterstützung der CEPI. CEPI steht für Coalition for Epidemic Preparedness Innovation. Die Initiative wird von der Gates Stiftung, Regierungen sowie philanthropischen Partnern finanziert, die wesentlich dazu beitragen, dass 2021 keine weitere Million Menschen Opfer des Coronavirus werden. (Anm. des Autors: Im Februar 2021 wurde allerdings scharfe Kritik an den Impfstoffherstellern laut, weil der Impfbeginn armen Ländern um Wochen später mit viel weniger Impfdosen begann als in Israel oder Grossbritannien).

Laut Gates ist es historisch einmalig, dass so viele Forscher und Unternehmen parallel versucht haben, einen Covid-19-Impfstoff zu entwickeln, denn die Kosten und Risiken erwiesen sich meist als höher, als der erwartete Gewinn. Einerseits habe der Kampf gegen die grösste Pandemie seit 100 Jahren die Wissenschafter und Firmen zusammengeschweisst. Dazu haben massive Zuwendungen der oben erwähnten Regierungen und Philanthropen dieses Risiko abgefedert.

Second-source-System überwand Produktionsengpass

Die Produktionskapazität aller Impfstoff-Entwickler hätte per Ende 2020 ungefähr verdreifacht werden müssen, um für 2021 genügend Impfstoff zu haben, schreibt Gates. Ein Milliarden-Unterfangen. Um diesen unüberwindbaren Flaschenhals zu umgehen, half die Gates Stiftung aktiv dabei, Mitbewerber zu sogenannten „Second-source Agreements“ zu motivieren. „Wir paarten forschungsmächtige Impfstoff-Hersteller aus reichen Ländern mit solchen in Entwicklungsländern. Diese können sichere, gute und bezahlbare Dosen in hohen Stückzahlen produzieren können.“ verrät Gates.

Second-source Agreements so revolutionär wie wenn Ford plötzlich Accords für Honda produzieren würde.

Bill Gates Ende 2020

Ein Second-source Agreement vereinigt das Beste aus zwei Welten: Die Besten der Forschung mit den effizientesten Produzenten der Top-Impfstoff-Kandidaten. So produziert zum Beispiel der weltweit grösste Impfstoff-Hersteller Serum Institute of India die Impfdosen für AstraZeneca (Anm. Autor: Oder die Schweizer Lonza in Visp für die US-amerikanische Moderna). Die Gates Foundation federte für das Serum Institute das finanzielle Risiko ab für den Fall, dass AstraZeneca’s Impfstoff nicht zugelassen worden wäre.

Bill Gates findet die Second-source Agreements der Covid-19-Impfstoff-Branche revolutionär, so revolutionär, als wäre der US-Hersteller Ford plötzlich bereit, für Honda den neuen Accord zu produzieren. Im Umfang seien die Agreements etwa so massiv wie bei der Umstellung der Industrie auf Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg auf Geheiss der US-Regierung. Nur, dass die Umstellung im Fall von Covid freiwillig abgelaufen ist.

16 CEOs versprechen faire globale Verteilung von Impfstoff

Nebst der Massenproduktion ist auch die faire Verteilung der Covid19-Impf-Dosen eine grosse logistische und finanzielle Herausforderung. Die CEOs von 16 Pharmafirmen haben gegenüber der Gates Foundation zugesichert, dass die Impfstoffe in fairer Weise global distribuiert werden. Reiche Länder müssen den Entwicklungsländern über Organisationen wie GAVI helfen, die logistischen und preislichen Herausforderungen zu stemmen. (Anm. Autor: Noch klappt dies aber überhaupt nicht; WHO-Chef Tedros zum SPIEGEL: 49 reichere Länder erhielten über 39 Millionen Impfdosen, eines der ärmsten Länder jedoch erst 25 (!) ).

„Das Gleichheitsprinzip des vollen Zugangs zum Impfstoff auch für arme Länder, kaufkraftschwache Gruppen und farbige Minderheiten in den USA hat Melinda und mich besonders beschäftigt“, schreibt Gates.

Politiker müssen dem Volk die Impfangst nehmen

Nebst dem Impfen können sei tatsächlich Impfen wollen die nächste Herausforderung. Mindestens zwei Drittel der Weltbevölkerung müssten sich impfen lassen, um Covid-19 mittelfristig auszurotten. Einige zögern, weil sie Angst haben, der Covid-19-Impfstoff sei ohne genügend klinische Studien zu hastig entwickelt worden. Andere haben einen wegen unethischer Experimente wie der Tuskegee-Syphillis-Studie einen historischen Vertrauensverlust erlitten . 1932 bis 1972 fielen dieser 128 von 600 schwarzen Probanden zum Opfer.

Wir wollen unseren Reichtum zurückgeben. Die beste Methode dafür ist es, Impfkampagnen zu unterstützen.

Bill und Melinda Gates

Hinzu kämen wirre Verschwörungstheorien auch gegen Melinda und ihn. Ihre tatsächliche Motivation Impfstoffe zu unterstützen sei jedoch, dass sie leidenschaftlich gerne helfen Leben zu retten. „Wir fühlen eine Verantwortung, unseren Reichtum der Gesellschaft zurückzugeben“, sagt Bill Gates. Es gebe keine nachhaltigere Methode dafür als zu helfen, Impfstoffe zu entwickeln und zu verteilen. Impfungen hätten nämlich das medizinische Wunder möglich gemacht, die Kindersterblichkeit in nur zwei Jahrzehnten zu halbieren.

Und nun sei es an den Politikern und Gesundheitsbehörden, den Menschen die Angst vor der Impfung mit überzeugenden Worten und als Vorbilder zu nehmen.

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